Jugendförderung gegen Mitgliederschwund

Burghausen. Kein Training, keine Wettkämpfe, alles zu: Corona versetzt den Sport in einen unfreiwilligen Winterschlaf – und damit auch den Turnverein 1868. Weil zudem sämtliche internen Treffen obsolet geworden sind, blickt Vorsitzender Norbert Stranzinger heuer nicht bei einer öffentlichen Jahreshauptversammlung, sondern im Anzeiger auf das zu Ende gehende Jahr zurück und gibt Ausblick auf 2021.

Gleich mehrere Dämpfer muss der TV heuer infolge der Pandemie hinnehmen. Nicht nur, dass seit einem Monat auch die letzten Punkte des ohnehin ausgedünnten Sportprogramms eingestellt werden mussten, der Verein steht zudem wohl auch vor einem größeren Mitgliederschwund.

 

Auf rund 2300 war er zuletzt angewachsen, bedingt vor allem aus den Aktivitäten im Jubiläumsjahr 2018. Besonders der Gesundheitssport und der Kinder- und Jugendbereich hatten seitdem Höhenflüge erlebt. Doch während in normalen Jahren auf rund 250 bis 300 Vereinsaustritte auch ebenso viele Eintritte kommen, schreckt das Coronajahr 2020 viele Neuzugänge ab − die Austritte aber bleiben. Damit könnte es Stranzinger zufolge sein, dass sich die Mitgliederzahl heuer der 2000er-Marke nähert und diese – je nach Corona-Entwicklung – kommendes Jahr sogar unterschreitet.

Viele Abgänge verzeichnet der Turnverein vor allem bei den Footballern, aber auch beispielsweise beim Mädchen- und Damenfußball. Generell leidet insbesondere der Mannschaftssport unter den Gegebenheiten – längere Zeit ohne Treffen, Spiele und Trainingsmöglichkeiten bremsen die Teambildung. Gerade die jungen Sportler würden auf solche Entwicklungen und Kontaktverluste „sehr dynamisch“ reagieren, sagt der Vorsitzende, der gemeinsam mit seinem Führungsteam im laufenden Jahr nicht nur mit den Corona-Beschränkungen zu kämpfen hat, sondern auch mit Eigenarten der Verbände.

So manche Reaktion der einzelnen Sportverbände auf die Vorgaben habe ihn „verwundert“, sagt Stranzinger und kritisiert, dass von denen jeder „sein eigenes Supperl kocht“, der gemeinsame Blick aufs große Ganze fehle. Auswuchs dessen sei gewesen, dass der Turnverein 54 Euro Strafe zahlen musste, weil die Fußballer nicht zu einem Spiel im Risikolandkreis Berchtesgadener Land antreten wollten.

Höchstes Lob hat Stranzinger hingegen, was die Absprache unter den Sportvereinen in Burghausen angeht. Gerade mit SV-Wacker-Geschäftsführer Heiko Hiller funktioniere die gemeinsame Corona-Abstimmung bestens. Auch im Turnverein selbst sei der Zusammenhalt gut. Die Mehrheit der Mitglieder stehe hinter dem Verein und verstehe, „dass man auch in schlechten Zeiten zusammenstehen muss“.

Finanziell bringt Corona den Turnverein bislang nicht in Schieflage. Der Verein habe gut gewirtschaftet und keinen Investitionsstau anwachsen lassen, so sei das Feld „hervorragend bestellt“, sagt Stranzinger. Und doch gibt er zu bedenken, dass mittelfristig auf das Sportgelände in St. Johann altersbedingt eine Komplettsanierung zukommt.

Was den Ausblick auf 2021 angeht, so ist auch dieser vorerst vom weiteren Pandemiegeschehen bestimmt. Traditionell steht beim TV ein Gutteil der Turniere bereits zu Jahresbeginn an – bei den Kampfsportlern etwa. Die Durchführung gilt bislang als unrealistisch, gleiches gilt für die Fußball-Stadtmeisterschaft. Damit herrsche weiterhin „Totenstille in unseren Reihen“, bedauert Stranzinger.

Und doch sieht er auch Lichtblicke: Eine neue Yoga-Gruppe kündigt sich an, ebenso ein Angebot für den Nachwuchs: die „Kampfkatzen“. Generell will der Verein neben dem Mannschaftssport vor allem die Kinder- und Jugendarbeit intensivieren – schließlich bedeuten junge Sportler zumeist auch weitere Neumitglieder in Person der Eltern.

Bewegung herrscht auch in der Vorstandschaft. 2021 stehen Neuwahlen an. Nach langer Suche stehen Stranzinger zufolge jetzt auch einige Jüngere zwischen 25 und 40 Jahren bereit, um Ämter zu übernehmen. Sein eigentliches Ziel, den Vorsitz in absehbarer Zeit ebenfalls in jüngere Hände zu übergeben, bleibt indes wohl offen. Nach wie vor findet sich dafür kein Aspirant. Freilich werde er den Verein nicht im Regen stehen lassen, sagt Stranzinger vor diesem Hintergrund. Aber mittelfristig brauche es halt eine Alternative. „Irgendwann ist einfach Ebbe.“ − ckl/Burghauser Anzeiger

TV1868