Schock fürs Stadtleben: Peter Schleindlsperger ist tot

Ehemaliger AVG-Lehrer und „gute Seele“ überraschend gestorben.

Es ist eine Nachricht, die für Bestürzung im gesellschaftlichen Leben Burghausens sorgt: Peter Schleindlsperger, Fidelis-Chorleiter, Mädchenfußball-Pionier, früherer AVG-Lehrer und gute Seele im Stadtleben, ist tot. Völlig überraschend starb der 67-Jährige am Mittwochabend.

Ohne jede gesundheitliche Vorwarnung wurde Schleindlsperger aus dem Leben gerissen. Weggefährten reagierten am Donnerstag und Freitag schockiert – nicht nur, weil sie mit Schleindlsperger eine der wichtigsten Stützen im Vereins- und Gesellschaftsgeschehen verlieren, sondern auch, weil es für sie unvermittelt Abschied nehmen heißt von einem, der vor allem durch eines auffiel: seine nette, herzerwärmende Art.

Ginge es um Beliebtheitswerte, so dürfte es nur wenige geben, die sich mit Peter Schleindlsperger messen konnten. Egal ob bei den früheren Lehrerkollegen und Schülern am Aventinus-Gymnasium, beim TV 1868 oder auch in der kirchlichen Gemeinschaft – Schleindlsperger war gern gesehen, willkommen, er gehörte fest dazu.

Letztere hat ihm den Fidelis-Chor zu verdanken, den er im Jahr 2000 aus der Taufe hob und mit dem er in weitem Umkreis unterwegs war. Aber auch die weitere musikalische Gestaltung so mancher Kirchenfeier übernahm er bereitwillig. Ebenso den gemeinsam mit Frau Ursel übernommenen Mesner-Dienst in Heilig Kreuz, der Nachbarkirche seines Hofes.

Mehr noch wird Stadtpfarrer Erwin Jaindl das einnehmende Wesen Schleindlspergers in Erinnerung behalten. „Er war ein richtiger Seelsorger“, bescheinigt der Geistliche dem 67-Jährigen, der wenige Tage vor seinem 68. Geburtstag stand. Schleindlsperger habe die Fähigkeit besessen, „eine ganz bunte Gruppe wie eine Familie zusammenzuhalten“. Auch sei er von „einem starken ökumenischen Blick“ geprägt gewesen, der Überzeugung, dass die Kirche eins sei. Keine zwei Wochen ist es her, dass Ursel und Peter Schleindlsperger das jüngste Weltfriedensgebet in der evangelischen Friedenskirche mitgestalteten. Auch liefen gerade erste Gespräche, wie die musikalische Gestaltung der kommenden Erstkommunion aussehen kann. Wie im Pfarrleben die Lücke geschlossen werden soll, die Peter Schleindlspergers Tod hinterlässt, darüber will Pfarrer Jaindl noch gar nicht nachdenken.

Nicht anders geht es Norbert Stranzinger, Vorsitzender des TV 1868, der zweite große Wirkungsbereich Schleindlspergers. Untrennbar ist dort sein Name mit dem Mädchen- und Damenfußball verbunden. 2004 gab er den Anstoß für die Sparte. Die Idee gründete im Sportunterricht am Aventinus-Gymnasium, an dem der gebürtige Rottaler von den späten 1980er Jahren an bis 2014 Sport und Religion unterrichtete – äußerst beliebt sowohl bei Schülern als auch im Kollegium.

Was beim Turnverein als Test begann, entwickelte sich zum Alleinstellungsmerkmal. Rasch startete der Spielbetrieb, bald gab es Erfolge zu feiern. Schleindlsperger hatte daran nicht nur als Cheftrainer Anteil. Er war Fahrer, Organisator, Kümmerer und Motivator. Von einem „hervorragenden Zugang zu den jungen Leuten“, spricht Stranzinger und erinnert an Hallenturniere, die Schleindlsperger organisiert hat, zudem an den Aufbau der Hans-Kammerer-Schule als eine Art Mädchenfußball-Mittelzentrum.

Er erinnert auch an Schleindlspergers Talent als „Troubleshooter“ – immer zur Stelle zu sein und zu helfen, wenn es brannte, ganz gleich wo, ganz gleich was. Etwa, als der Pensionist vor einigen Jahren Stranzinger darüber informierte, dass er künftig kürzer treten wolle. Die Ankündigung hielt keine zwei Wochen, dann sprang Schleindlsperger kurzfristig als Ersatz ein – und blieb.

Ohnehin konnte bei dem 67-Jährigen bis zuletzt von Ruhestand keine Rede sein. War er nicht gerade für andere unterwegs, so kümmerte er sich um den Hof in Heilig Kreuz, die Alpakas und Schafe, den Holzbestand, die Obstbäume. Und natürlich kümmerte er sich auch um die Familie – Ehefrau Ursel sowie die Töchter Barbara, Maria und Anna. Für sie ist es der schmerzvollste, weil abrupteste Abschied. Coronabedingt kann die Beerdigung nur in kleinem Kreis erfolgen. Freunde und Bekannte sollen sich später, sobald es die Lage zulässt, verabschieden können, bei einem Treffen in der Kirche Heilig Kreuz.− ckl

Quelle: https://www.pnp.de/lokales/landkreis-altroetting/burghausen/Schock fürs Stadtleben: Peter Schleindlsperger ist tot – Burghausen (pnp.de, 15.01.2021)

 

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