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Nach der Aufhebung der Turnsperre durch den Staat, die von 1819 bis 1842 dauerte, begann die Zeit der Turnvereinsgründungen in Deutschland. Durch den Turnunterricht an der Lateinschule (dem späteren Gymnasium) war dem Turngedanken bereits in der günstigsten Weise vorgearbeitet worden. Aus dem Jahresbericht der Schule für 1837 geht hervor, dass auf dem Gymnastikplatz beim Gymnasiumgebäude reger und regelmässiger Turnbetrieb herrschte. Im Jahre 1863 wird die Deutsche Turnerschaft offiziell gegründet. Vielleicht war das mit ein Grund, 1868 in Burghausen einen Turnverein ins Leben zu rufen. In Burghausen waren es die Männer der Feuerwehr, die erkannten, dass Leibesübungen eine nützliche Vorarbeit zur eigenen Arbeit darstellten.

Und noch heute herrscht zwischen dem TV 1868 Burghausen und der Feuerwehr ein besonders freundschaftliches Verhältnis. Während uns der Gründungstag vorläufig unbekannt bleibt, lässt sich das Gründungsjahr dagegen zuverlässig aus den später abgehaltenen Stiftungsfesten erschliessen. Ein Protokoll über die Gründungsversammlung existiert nicht. Leider sind die Protokollbücher von 1868 – 1892 nicht mehr vorhanden und deshalb das Wissen um viele Vorgänge jener Zeit verloren. Durch den Gymnasialunterricht und die Turnfreudigkeit der Feuerwehrleute hatte sich offenbar schon früh die Notwendigkeit ergeben, eine eigene Turnhalle zu besitzen. Es zeugt schon von grosser Aufgeschlossenheit des Burghauser Stadtmagistrats, dass er schon im Jahre 1869 an die Verwirklichung des Planes ging.

Anlässlich des 6. Stiftungsfestes der Feuerwehr am 18 Juli 1869 wurde nach einem feierlichen Gottesdienst in St. Johann der Grundstein zur ersten Turnhalle (Bild) gelegt. Die Turnhalle wurde am 29 Juni 1870 eingeweiht und stand fortan dem Turnverein und der Lateinschule zur Verfügung. Sie diente ausserdem der Feuerwehr als Steigerhaus. Auch wurde sie häufig für Ausstellungen benutzt.

Die erste Turnhalle war ein Holzbau und 10 m x 15 m gross. In den Jahren 1939/40 wurde sie durch einen Steinbau ersetzt. Da die Halle nicht geheizt werden konnte, hielt der Verein seine Turnstunden im Winter entweder im Vereinslokal (Gasthof Wieninger, heute Herzog Georg) oder in der 1881 erbauten Turnhalle des Gymnasiums ab. Der Turnplatz war nur etwa 200 m² gross. Erst mit dem Ankauf der Lohnerwiese im August 1920 konnte der heutige Turnplatz geschaffen werden. Bis zum ersten Weltkrieg fand zweimal im Monat, auch im Winter, ein Wandertag statt. Freilich war der Andrang zunächst nicht gross. Erst um 1897 nimmt das Turnen der Jugendlichen merklich zu. Zur weiteren Förderung wird 1900 ein eigenes Lehrlingsturnen eingführt. Um 1900 gibt es fünf Riegen: zwei für Kunstgeräte, eine für Naturgeräte, eine Riege Herren und eine Riege Zöglinge. 1920 wurde eine Faustballriege, 1931 eine Handballriege gebildet. 1919 stellte sich eine Schwimmriege zusammen, die aber bald wieder auseinander fiel. Erst die im Sommer 1926 neu gebildete Schwimmriege, die mehrere deutsche Meisterschaftstitel erringen konnte, blieb bestehen. Sie trat am 1.7.1953 geschlossen zum Sportverein Wacker über.

Frühes Interesse zeigten die Turner auch dafür, „Turnschwestern“ zu bekommmen, wie es 1894 einmal heisst. Aber hier ging es naturgemäss noch zäher als bei den Zöglingen. 1902 misslang der Versuch, eine Damenriege zu bilden, zum wiederholten Male. Erst 1906 war ihr dann die Dauer beschieden. Die Damen waren 1952 bei einer Zahl von 450 Mitgliedern mit 195 beteiligt.

Nach dem Zusammenbruch 1945 folgt die Aufösung und am 31.3.1946 nach Genehmigung seitens der amerikanischen Militärregierung die Neugründung durch unbelastete Mitglieder. So konnte der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden, wenngleich viele Aktive, wie bei allen Vereinen, nicht mehr vom Kriege heimgekehrt waren.

Ein besonderer Erfolg war das erste oberbayerische Kinder- und Jugendturnfest 1951 in Burghausen mit rund 1200 Turnern und einem schönen Festabend am Wöhrsee. Ein bedeutendes Ereignis für Burghausen war die Durchführung der bayerischen Meisterschaften im Kunstturnen der Männer. Die Turnerbälle, die früher schon einen beachtenswerten Ruf genossen, wurden auch in den Nachkriegsjahren noch einmal ein grosser Begriff.

Anfang der 50er Jahre ist eine gewisse Vereinsmüdigkeit festzustellen: 1952 hatte der TV 450 Mitglieder, während es 1956 nur noch 298 und1956 sogar nur noch 284 Mitglieder waren. Bei den Wahlen in den Hauptversammlungen 1953/54 war es nicht möglich, alle Funktionärsposten im Verein zu besetzen, so dass man schon glaubte, das 90-jährige Vereinjubiläum 1958 nicht mehr feiern zu können. Bis zur 100-Jahr-Feier 1968 hatte sich dann die Migliederzahl mehr als verdoppelt (685).

Im Jahre 1962 hat Schriftwart Karl Hautmann die TV-Vereins-Zeitschrift „Bauchaufschwung“ ins Leben gerufen. 1981 musste leider die Herausgabe des Informationsblattes eingestellt werden. Da in der kleinen alten Turnhalle im Winter kaum Turnbetrieb möglich war (fehlende Heizung), suchen Turnverein und Turnrat seit Anfang der 70er Jahre nach einer Lösung dieses Problemsund stehen mit der Stadt in Tauschverhandlungen. Im Stadtentwicklungsplan der Stadt aus dem Jahre 1976 sieht der Verein seine Chance. Dieser Plan sieht zur Wiederbelebung der südlichen Altstadt eine städtische Doppelturnhalle mit Sportgelände vor.

1978 legt die Stadt dem Turnverein einen Tauschvertragsentwurf vor, der in der Jahreshauptversammlung 1978 mit allen 73 Stimmen angenommen wird. Die Stadt stimmt dem Tauschvertrag im Oktober 1981 zu. Mit Notariatsurkunde vom 15.12.1981 wurde er besiegelt; der Turnverein überläässt der Stadt unentgeltlich seinen gesamten Besitz (1,4276 ha) an und erhält dafür ein immer währendes unentgeltliches Nutzungsrecht an der Doppelturnhalle und am Turnplatz. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 9,29 Mio. DM. Die alte Turnhalle wurde am 7.5.1984 abgebrochen. Die neue Doppelturnhalle wurde am 8.10.1983 eingeweiht.

Anfang 1993 wurde ein Vereinsraum angebaut. Durch den Neubau der Doppelturnhalle und die großzügige Gestaltung des Turnplatzes haben die TV-Abteilungen optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen erhalten. Dafür gebührt der Stadt Burghausen, vertreten durch den dem Sport sehr aufgeschlossenen Stadtrat, der besondere Dank des Turnvereins. 1968 hat der TV sein 100-jähriges und 1993 sein 125-jähriges Vereinsjubiläum mit einem großen Festzug und einem Festabend gefeiert.

Der Verein hat in den vergangenen 130 Jahren nicht nur Höhepunkte erlebt, sondern musste auch Rückschläge hinnehmen; so war es nach dem ersten Weltkrieg und nach dem verlorenen großen Krieg 1939 – 1945. Aber nach jedem Rückschlag stieg der Turnverein seiner Tradition folgend wie der Phönix aus der Asche wieder zu neuen Höhen empor.